„Stillsitzen und Nichtstun ist wirklich das Schwerste für mich.“

 

 

Lukas Zaspal, der Inhouse-Fitnesstrainer des Hotel Josef erzählt, was sein Leben, seine Karriere und seine Wellness-Philosophie geprägt hat.

Der Personal Trainer des Hotel Josef hat sich nicht nur unzählige Titel erkämpft, sondern auch viele Auszeichnungen erhalten: Er ist zweifacher Guiness Weltrekord-Halter, Wettkampf-Boxer, Trainer für tschechische und internationale Athleten sowie olympischer Gewichtheber und Spezialist für Martial Arts. Und das sind nur einige seiner persönlichen Meilensteine. Hotelgäste, die die Möglichkeit haben, mit Lukas in seinem „Skyline-Studio“ zu trainieren (das heisst im hoteleigenen Gym auf dem Dach) erkennen schnell, was ihn so erfolgreich macht. Als talentierter Motivator und erfahrener Trainer unterstützt er die Menschen mit jeder Menge Leidenschaft, sein sanfter Zugang zur Bewegung hat hunderten von Menschen geholfen, ihre Fitnessziele zu erreichen. Was vielen seiner Kunden vielleicht weniger bewusst ist, sind die dahinter stehenden Erfahrungen und Erkenntnisse, die Lukas zu einem hingebungsvollen Experten mit einer vielseitigen Persönlichkeit und einer interessanten Lebensgeschichte – kurz: einem rundum guten Typen – gemacht haben.

Die Kreativdirektorin des Hotel Josef, Martina Hončíková hat sich mit Lukas über seinen Werdegang und seine Karriere unterhalten und auch darüber, was einen der besten Trainer der Tschechischen Republik so antreibt.

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"Ich freue mich immer auf meine Arbeit. Meine Kunden sind für mich Freunde. Alles ist sehr entspannt und dann fliesst oft eine besondere Energie."

Erzählen Sie mir ein wenig über Ihre Anfänge. Wo sind Sie aufgewachsen?
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Ich bin in einem Dorf westlich von Prag aufgewachsen. Meine Eltern hatten einen kleinen Bauernhof mit verschiedenen Tieren – und gleich nebenan hatte mein Onkel eine Schafherde, eine Kuh und ein Pferd. Es stand oft körperliche Arbeit an, Holzsägen und ähnliches. Mir gefiel das Leben draußen mit den Tieren, aber ich hatte trotzdem das Bedürfnis auszubrechen. Als ich älter war, lernte ich den landwirtschaftlichen Arbeitsethos zu schätzen, der auch heute noch meine Einstellung zu Fitness prägt. Man muss den Boden bestellen, säen und Geduld aufbringen, bevor man die Früchte der Arbeit ernten kann.

Die tschechische Kultur hat eine ausgeprägte geschichtliche Verbindung mit einem aktiven Lebensstil, besonders in Bezug auf die legendären Sokol-Turnbewegung. Hat das Ihre Berufswahl beeinflusst?
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Es hatte einen großen Einfluss. In meinem Dorf habe ich eine Schule besucht, die diese Tradition lebendig hielt. Bei Sokol geht es darum, Bewegung ins Leben zu integrieren und nicht nur den Körper sondern auch den Kopf zu entwickeln – weil sich nur in einem gesunden Körper ein guter Geist entfalten kann.

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In gewisser Weise war es Ihnen also vorbestimmt, in der Fitnessbranche zu arbeiten?
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Daran habe ich nicht immer geglaubt. Ich war sicher ein guter Sportler, aber für mich war „Fitness“ ein negativ besetzter Begriff. Die Menschen um mich herum dachten, ich würde einmal Anwalt – und ich bewarb mich auch zuerst für ein Jurastudium, ging aber nie hin. Stattdessen studierte ich dann Sportlehre und Sportcoaching. Während dieser Jahre sind immer wieder Freunde zu mir gekommen, um mich um Rat zu fragen. Irgendetwas an meiner Person brachte sie dazu, sich an mich zu wenden. Mir wurde das Zeichen gegeben zu lehren – und ich folgte diesem Weg. Als ich nach London ging, um Englisch zu lernen und als privater Trainer zu arbeiten, hatte ich danach einen Master und möglicherweise eine größere Erfahrung als die meisten jungen Trainer, die parallel zu mir gearbeitet haben. Allerdings wurde mir auch bald klar, dass meine eigentliche Ausbildung gerade erst begonnen hatte.

Sie haben einige ziemlich interessante Erfahrungen in London gemacht.
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Ich bin in der 5 O’Clock Show auf Channel 4 als Trainer und Sportberater aufgetreten und habe einige prominente, aber auch normale Gäste in der Sendung in Form gebracht. Das brachte mich auch mit den Leuten zusammen, die meine Guinness Weltrekord-Titel möglich machten. Damals wurde ich auf der Straße von vielen jungen Mädchen erkannt, die um 17 Uhr fernsahen. Außerdem war ich einmal Teil einer Kunstinstallation, Martin Creed’s Work No. 850 in der Tate Britain

Durch eine weltberühmte Kunstgalerie zu joggen, muss surreal gewesen sein. Wie sind Sie in so eine Veranstaltung geraten?
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Ich musste mich wie hunderte andere Läufer bewerben. Wer den Job bekam, musste alle 30 Sekunden so schnell wie möglich durch die 100 Meter lange Haupthalle sprinten. Die Besucher des Museums wussten nicht, was los war. Die Wachleute mussten immer und immer wieder das Konzept erklären. Das war eine unglaubliche Erfahrung, aber körperlich sehr anstrengend. Ich habe mich dann dabei auch verletzt und war durch die Arbeit in London schließlich ziemlich ausgebrannt.

Was waren andere berufliche Höhepunkte Ihrer Karriere?
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Den größten Teil meiner Karriere habe ich mich dem Boxen verschrieben, obwohl ich in Karate und im olympischen Gewichtheben in der Master-Klasse angetreten bin. Momentan trainiere ich einen tschechischen Profiboxer, der Anwärter auf den Weltmeister-Titel ist und bei dem ein Titelkampf ansteht.

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"Bewegung ins Leben zu integrieren und nicht nur den Körper sondern auch den Kopf zu entwickeln, weil sich nur in einem gesunden Körper ein guter Geist entfalten kann, ist eine tschechische Tradition."

Sie sind schon viel gereist. Was sind Ihre Lieblingsziele und wie halten Sie unterwegs ihren gesunden Lebensstil?

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Ich habe ein Jahr in Neuseeland gelebt, um mich von London zu erholen und Surfen gelernt. Ich liebe Latein- und Mittelamerika. Ich habe anderthalb Monate in einem kleinen mexikanischen Fischerdorf in Puerto Vallarta gesurft und war in Nicaragua. Im Urlaub versuche ich in der Regel, etwas zu lernen oder aktiv zu bleiben. In den tschechischen Bergen zum Beispiel fahre ich gern Ski und Snowboard.

Wie motivieren Sie Menschen, die im Gegensatz zu Ihnen im Urlaub nicht trainieren möchten?

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Viele unserer Kunden hier im Hotel bringen bereits eine Trainingsroutine mit, die sie beibehalten möchten. Andere freuen sich schon darauf, endlich einen Trainingsplan zu entwickeln, weil sie hier Zeit zum Üben haben. Ich muss sie also nicht unbedingt antreiben, sondern vielmehr Tipps für Fitness und Ernährung anbieten. In vielen Fällen haben die Menschen nur falsche Zielvorgaben und ich versuche ihnen neue Wege zu zeigen.

Warum ist der Service, den Sie den Hotel-Josef-Gästen anbieten, so einzigartig?
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Ich kann in ganz kurzer Zeit exakt analysieren, was die Menschen brauchen. Sie nehmen meinen Ansatz mit, der aber auf ihre Gewohnheiten zugeschnitten ist – und sie erlernen die Fähigkeiten, die ihnen helfen durchzuhalten. Ich biete Online Coaching an, Beispielübungen – alles was sie brauchen, um ihre Ziele und Routinen umzusetzen. Das Wichtigste allerdings finde ich die besondere Verbindung zwischen einer Person und ihrem Trainer.

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Welche Route würden Sie den Besuchern empfehlen, die ihre Zeit in der tschechischen Hauptstadt aktiv verbringen möchten?
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Prag ist eine tolle Stadt zum Joggen oder auch einfach nur zum Spazierengehen – zu Fuß kommt man einfach überall hin. Wer früh am Morgen aufsteht, bekommt andere Dinge zu sehen, als der typische Tourist. Im Sommer gibt es außerdem viele kostenlose Aktivitäten an der frischen Luft, wie Open-Air-Yoga. Ich mag den Stromovka-Park, der einfach wunderschön ist. Der Letná-Park ist auch großartig zum Laufen.

Was machen Sie, wenn Sie die Leute nicht in Form bringen?
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Ich lese gern, spiele Mundharmonika und Ukulele. Aber auch wenn ich mich entspanne, bin ich meistens in Bewegung. Einfach still zu sitzen ist für mich die größte Herausforderung.

Was sind die erfüllendsten Seiten Ihrer Arbeit und was sind für Sie berufliche Kampfansagen?
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Ich freue mich immer auf meine Arbeit. Meine Kunden sind für mich Freunde. Alles ist sehr entspannt und dann fliesst oft eine besondere Energie.Die Leute sind dankbar für mein Wissen und das ist wirklich eine Belohnung. Deshalb mache ich das, was ich tue, sehr gern. Ich wünsche mir oft, ich könnte ihnen noch mehr Zeit widmen, mehr geben. Manchmal ist es schwer, die Trainingseinheiten kurz zu halten, weil ich sicher sein möchte, dass die Gäste wirklich etwas mitnehmen.

Wer hat Sie beeinflusst und wer sind Ihre persönlichen Helden – Menschen, die Sie inspiriert haben und Ihnen auf diesem Weg geholfen haben?
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Ich habe großen Respekt für meine Eltern und ihre Einstellung zum Leben. Meine Helden und Idole sind in erster Linie meine guten Freunde. Früher haben mich auch mein Boxtrainer Colin Lake und mein Gewichtstrainer Giles Greenwood stark beeinflusst.
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Obwohl Sie sehr diszipliniert sind, müssen Sie doch ein heimliches Laster haben? Bitte verraten Sie es, damit wir uns alle ein bisschen besser fühlen können.
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Guter Wein ist immer ein Genuss und ich kann Gebäck einfach nicht widerstehen – besonders Croissants.

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