Design-Hotel Josef
by Christa Karas,
Wiener ZeitungApril 23, 2003
Derlei zählt zweifellos zu den raren Glücksfällen: Solider, innovativen Ideen gegenüber aufgeschlossener Unternehmergeist, eine weltbekannte Architektin, die sich dem funktionalen Design verschrieben hat, und ein Team guter Leute, das sich für die permanente Umsetzung einer Idee stark macht.
So entstand im Vorjahr das Hotel Josef in Prag - ein Vier-Sterne-Hotel, das Scharen von Architekten und Designern aus aller Welt anlockt, ist es doch das erste und einzige Mitglied von design hotels in der Tschechischen Republik. Entworfen wurde es von Eva Jiricna, Architects London, die 1968 Prag verlassen hatte und in der Folge in London mit ihrem klaren, auf das Wesentliche konzentrierten Stil Furore machte.
Die Lage ist absolut ideal: Das Josef befindet sich im Zentrum von Prag, Stadtteil Josefov. Altstädter Ring und Pulverturm sind fünf, der Wenzelsplatz und die Karlsbrücke zehn Gehminuten weit entfernt, in unmittelbarer Nähe befinden sich das ehemalige jüdische Ghetto, Ministerien, die Börse, Banken, Bürozentren und eine Vielzahl von Restaurants.
Just der funktionale Stil - Understatement pur - bewirkt, dass sich das Josef ideal in seine Umgebung eingliedert. Dass es über 110 Zimmer - im sogenannten "Pink House" und im gartenseitigen "Orange House" - verfügt, merkt man nicht. So wie das Gesamtkonzept überhaupt darauf abzielt, dass der Gast auf unauffällige Weise bis ins kleinste Detail vorfindet, was immer er nur benötigt - bis zum Regenschirm (alles andere sowieso). Ebenso angenehm ist, was nicht da ist: Lärm etwa. Die Zimmer sind alle schallgeschützt. Und Grelles: Pink und Orange beziehen sich nur auf dezente Schriftzüge, Weiß herrscht (sogar bei den Lederstühlen der Bar) vor, allenfalls durch zartes Grün und Silber unterstrichen.
Der raffinierte Einsatz breiter Glasfronten bewirkt, dass das Draußen vom Drinnen - also die Straße vom Foyer und der Bar bzw. der Garten vom Frühstücks-Restaurant - keine wirkliche Trennung erfährt, eine Transparenz, die auch die elegante "Schneckentreppe" (siehe Bild oben) einbezieht.
Wiener Zeitung